Der Kaffeevollautomat surrt sein müdes Willkommenslied. Jemand tippt bereits Excel-Formeln, obwohl die eigene Tasse noch leer ist. Es ist Montag, und niemand ahnt, dass sich in den nächsten sechs Stunden die gesamte betriebliche Hierarchie neu sortieren wird.
Miriam aus dem Controlling stellt ihren dampfenden Becher auf den Schreibtisch und dreht sich zum Drucker um. Fünf Sekunden, mehr nicht. Als sie zurückkommt, sitzt Mister Fluffington seelenruhig neben der leeren Tasse. Restschaum am Schnurrbart. Der Blick: schuldbewusst wie ein Steuerberater bei der Betriebsprüfung.
Miriam lacht. Noch.
Mister Fluffington bezieht Position auf dem Konferenztisch und fordert per Blickkontakt die Klimaanlage kälter. Niemand widerspricht. Niemand weiß, wie man einer Katze widerspricht, die gerade zwei Espressi intus hat.
Das Teammeeting wird eigenmächtig verschoben. Der Vorgang dauert vier Sekunden und besteht darin, dass sich ein Kater auf eine Tastatur legt und dabei zufällig ein Feld mit der Beschriftung „Absagen“ trifft. Drei Kollegen atmen hörbar aus. Einer flüstert „danke“.
Ein Bürostuhl mit Armlehnen wird requiriert. Nicht erbeten, requiriert. Anschließend teilt Mister Fluffington mit einem einzigen, durchdringenden Miauen mit, dass Miriam ab sofort seine Kaffeebestellungen entgegennimmt.
Miriam versucht es mit Autorität. „Ich bin hier die Chefin“, sagt sie zu einem Tier, das gerade genüsslich den Laptop-Rand als Kratzbaum benutzt. Mister Fluffington antwortet nicht. Er muss nicht. Er hat Koffein im Blut und die uneingeschränkte Macht eines Wesens, das eines genau weiß: Niemand feuert die Katze.
Der erste offizielle Katzen-Urlaubsantrag wird unterschrieben. Mit zittriger Hand und der stillen Verzweiflung einer Frau, die gerade begreift, dass ihr Organigramm veraltet ist. Grund des Antrags: Fensterbank-Inspektion, dringend. Dauer: unbestimmt.
Miriam kämpft nicht mehr. Sie holt sich eine neue Tasse Kaffee, stellt sie vorsichtshalber auf den obersten Aktenschrank und setzt sich hin. Der Kampf ist vorbei. Er war schon entschieden, bevor er begonnen hatte.
KAFFEE GETRUNKEN.
JETZT IST SIE MEIN CHEF.
Solltest du dich derzeit in einer vergleichbaren Lage befinden – Fell auf der Tastatur, Kaffee weg, Würde ebenfalls – hilft nur noch flüssiges Koffein und stummer Protest.
Zur Tasse aus dieser Geschichte
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