Klappe C

Am Dienstag um 9:14 Uhr wollte ich zwei Seiten drucken. Nicht dreißig. Zwei. Ich sage das so genau, damit später niemand behauptet, ich hätte den Bogen überspannt.

Der Drucker steht bei uns im Flur zwischen der Teeküche und einem Bild, das vermutlich eine Brücke zeigt. Er nahm den Auftrag an, dachte kurz nach und schrieb meinen Namen aufs Display. Nicht die Abteilung. Nicht die Nummer meines Rechners. Meinen Namen, ausgeschrieben, mit dem zweiten Vornamen, den ich seit 1998 niemandem mehr genannt habe.

Dann stand dort: Bitte Klappe C öffnen.

Ich bin das Gerät dreimal umrundet. Es gibt eine Klappe A. Es gibt eine Klappe B. Hinten gibt es eine Klappe D, die sich öffnen lässt, aber nichts enthält außer Staub und einer Büroklammer, die dort nach meiner Schätzung seit der Euroeinführung liegt. Eine Klappe C gibt es nicht.

Reinhold aus der Buchhaltung sagt, die sei innen. Auf meine Frage, wie man innen hinkommt, ohne eine Klappe zu öffnen, hat Reinhold die Schultern gehoben und ist zurück an seinen Platz gegangen, was ich ihm nicht verdenken kann. Reinhold hat im Frühjahr drei Wochen lang versucht, ein Telefon anzumelden, und ist seitdem vorsichtig mit Zuständigkeiten.

Die Hotline hat eine Warteschleife mit Panflöte. Nach 22 Minuten meldete sich Frau Sikorski und wollte die Seriennummer. Die Seriennummer steht auf der Unterseite. Das Gerät wiegt sechzig Kilo. Frau Sikorski sagte, sie warte gern. Ich habe aufgelegt, weil man einem Menschen nicht zumuten kann, beim Scheitern zuzuhören.

Am Mittwoch habe ich die Dokumente vom Bildschirm abfotografiert und verschickt. Am Mittwochabend kam die Antwort, man könne das so leider nicht ablegen. Ablegen. Als gäbe es irgendwo einen vorgesehenen Platz für diese zwei Seiten und ich hätte mich bewusst geweigert, ihn zu benutzen.

Am Donnerstag lag auf meinem Schreibtisch ein Ausdruck. Zwei Seiten. Meine. Niemand hatte ihn dorthin gelegt. Der Drucker hatte drei Tage gebraucht und offenbar irgendwann entschieden, dass es jetzt passt.

Seitdem grüße ich ihn, wenn ich vorbeigehe. Er antwortet nicht. Aber er kennt meinen Namen, und in diesem Büro ist das mehr, als man von den meisten sagen kann.

Dazu gibt es eine Tasse

„Der Drucker kennt meinen Namen. Das nenne ich Bindung."

330 ml weiße Keramik, beidseitig bedruckt, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Kommt im Geschenkkarton mit Banderole zum Beschriften.

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Passend dazu für alle, deren Posteingang ebenfalls ein Eigenleben führt: Ich habe 100 Mails – und keine Lust.

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